Kawai Klaviere: Modellübersicht, Qualität und Kaufberatung
Kawai ist nach Yamaha der zweitgrößte japanische Klavierhersteller – und für viele Pianisten die interessantere Wahl, vor allem dank der ABS-Carbon-Mechanik und dem charakteristisch warmen, vollen Klang. Wer dir geraten hat „kauf einfach ein Yamaha”, ohne dass du ein Kawai gespielt hast, solltest du diesen Guide lesen bevor du entscheidest.
Kawai – Hintergrund und Philosophie
Kawai wurde 1927 von Koichi Kawai gegründet, einem ehemaligen Yamaha-Mitarbeiter. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hamamatsu, Japan – der Heimatstadt der japanischen Klavierindustrie.
Kawai investiert stark in Materialforschung: Die ABS-Carbon-Mechanikteile (seit den 1980ern) sind heute ein Alleinstellungsmerkmal und bieten Vorteile gegenüber herkömmlichen Holzmechaniken in Bezug auf Stabilität bei Temperaturschwankungen und Langlebigkeit.
Kawai Klaviere (Upright): K-Serie und Modellübersicht
Die K-Serie ist Kawais Hauptlinie für Upright-Klaviere und deckt das gesamte Spektrum von Einsteiger bis Professional ab:
- K-200 (114 cm): Einsteiger: Kawais günstigstes Studioklavier, gefertigt in Japan und Indonesien. Solide Verarbeitung, gute ABS-Mechanik. Neu: ca. 2.500 – 3.200 €. Gebraucht: ca. 900 – 1.800 €.
- K-300 (122 cm): Mittlere Klasse: Verbesserter Resonanzboden, tiefere Basssaiten, präzisere Mechanik. Neu: ca. 3.500 – 4.500 €. Gebraucht häufig für 1.500 – 2.800 €.
- K-500 / K-800 (130 – 132 cm): Professionell: Die K-500 und K-800 bieten volle Saitenlänge für satten Bass und ausgeprägte Dynamik. Empfehlung für ambitionierte Spieler. Neu: ca. 5.500 – 9.000 €. Gebraucht: 2.500 – 5.500 €.
- SK-Serie: Shigeru Kawai: Die Shigeru-Kawai-Linie ist Kawais Premiumserie, handgefertigt in Ryuyo, Japan. Preise beginnen bei ca. 12.000 € neu – und damit auf dem Niveau europäischer Premiummarken.
Kawai Flügel: GX- und EX-Serie
Kawais Flügelpalette reicht vom kompakten Stutzflügel bis zum Konzertflügel:
- GX-1 (166 cm): Einstieg: Kawais kleinster Konzertflügel. Neu: ca. 14.000 – 18.000 €. Gebraucht: ca. 5.000 – 9.000 €. Guter Einstieg in die Kawai-Flügelwelt.
- GX-2 / GX-3 (180 – 188 cm): Mittelklasse: Die beliebtesten Kawai-Flügelmodelle für Musikschulen und gehobene Wohnräume. GX-2 neu ca. 22.000 – 28.000 €. Gebraucht ab ca. 7.000 €.
- GX-6 / GX-7 (212 – 227 cm): Konzertflügel: Für professionelle Bühnen und Konzertsäle. GX-7 neu ca. 70.000 – 90.000 €. Selten gebraucht verfügbar.
- EX: Konzertflügel (272 cm): Kawais Flaggschiff. Weltweit auf internationalen Wettbewerben und Konzertbühnen eingesetzt, in einer Liga mit dem Yamaha CFX. Preis auf Anfrage; typisch 120.000 – 150.000 € neu.
ABS-Carbon-Mechanik: Der entscheidende Unterschied
Kawai setzt länger als jeder andere große Klavierhersteller auf Kunststoffe in der Mechanik – ein Forschungsweg, der in den 1960er Jahren begann. Die heutige Millennium-III-Mechanik verwendet ABS-Carbon-faserverstärkte Bauteile für die zentralen Mechanikkomponenten. Die praktischen Vorteile: keine Quellung oder Schrumpfung bei Feuchtigkeitsschwankungen, gleichbleibendes Spielgefühl über viele Jahre und keine Anfälligkeit für Mottenfraß – ein reales Problem bei Wollhammertuch in Holzmechaniken.
Manche Pianisten nehmen einen leichten Unterschied im Spielgefühl gegenüber klassischen Holzmechaniken wahr. In der Praxis spielt das nach wenigen Wochen Eingewöhnung kaum noch eine Rolle. Die Stabilitätsvorteile – besonders in Räumen ohne Klimaanlage – sind konkret und messbar.
Gebraucht-Preisübersicht: Was kostet ein Kawai?
Kawai-Instrumente halten ihren Wert ähnlich gut wie Yamaha. Besonders die K-Serie ist auf dem Gebrauchtmarkt stark vertreten:
- K-200 / ältere Modelle: ca. 700 – 1.800 €
- K-300 (gebraucht): ca. 1.400 – 2.800 €
- K-500 / K-800 (gebraucht): ca. 2.500 – 5.500 €
- GX-1 / GX-2 (gebraucht): ca. 5.000 – 12.000 €
Ältere Kawai-Modelle aus den 1980ern und 90ern bieten oft sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – besonders die damalige KU- und US-Serie. Vor dem Kauf Zustand prüfen lassen.
Fragen und Antworten
Kawai oder Yamaha – welche Marke soll ich kaufen?
Eine universelle Antwort gibt es nicht, aber es gibt reale Unterschiede: Yamaha klingt tendenziell heller und direkter – ideal für klare Artikulation. Kawai klingt wärmer und voller – oft bevorzugt von Spielern, die tonale Tiefe schätzen. Die ABS-Carbon-Mechanik gibt Kawai einen konkreten praktischen Vorteil in Räumen mit wechselnder Luftfeuchtigkeit. Der beste Rat: Beide anspielen bevor du entscheidest. Gebraucht sind beide Marken gleich gut verfügbar und vergleichbar bepreist.
Was ist die Shigeru-Kawai-Serie?
Shigeru Kawai ist Kawais handgefertigte Premiumlinie, benannt nach dem Sohn des Firmengründers. Vollständig in Ryuyo, Japan, unter Verwendung sorgfältig ausgewählter Spitzenmaterialien gefertigt, spielen und klingen die SK-Modelle auf dem Niveau von Bösendorfer und Steinway – und sind entsprechend bepreist. Für Pianisten, die den Kawai-Klangcharakter auf Konzertniveau suchen, ist dies die richtige Reihe.
Sind ältere Kawai-Klaviere aus den 1980ern empfehlenswert?
Ja – besonders Modelle der KU- und US-Serie aus den 1980ern und 90ern. Diese wurden in Japan gefertigt und sind für außergewöhnliche Langlebigkeit bekannt. Die ABS-Mechanikteile dieser Generation altern sehr gut, oft besser als Holzpendants. Wie immer: Zustand – vor allem Stimmstock und Resonanzboden – vor dem Kauf von einem Techniker prüfen lassen.
Kawai ist eine echte Alternative zu Yamaha – kein Kompromiss. Die ABS-Carbon-Mechanik, der warme Klangcharakter und die gute Verfügbarkeit auf dem Gebrauchtmarkt machen Kawai zur richtigen Wahl für viele anspruchsvolle Spieler.
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